Ich erinnere mich noch genau an die sirrende Wut in meinem Bauch, als ich mit 14 das erste Mal mit einem selbstgemalten Karton auf dem Bundesplatz stand. „Es gibt keinen Plan(et) B“, stand drauf. Wir schrien uns die Kehlen wund, forderten Klimagerechtigkeit, Systemwandel – aber tief drin glaubte ich kaum noch, dass etwas passieren würde.
Heute bin ich 23 und studiere Medizin. In einer Welt, die tatsächlich den Wandel geschafft hat. Nicht von oben, nicht durch Parteiprogramme. Sondern weil wir einfach nicht mehr anders konnten – und weil genug Menschen nicht mehr wollten.
Ich arbeite 20 Stunden pro Woche im Gesundheitszentrum um das Gelernte bereits in der Praxis anzuwenden. Gemäss Statistik arbeite ich rund doppelt so viel wie der Durchschnitt der Bevölkerung. Aber ich will das. Weil es mir Sinn gibt. Weil ich das, was ich gelernt habe, mit echtem Nutzen einsetzen kann. Ich muss niemandem erklären, wie teuer Behandlungen sind, sie sind heutzutage kostenlos. Es gibt keine Krankenkassen mehr, kein unnötiger Papierkram. Wir helfen einfach. Und zum Glück gibt es sehr viele Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten wollen.
Die medizinische Versorgung ist trotzdem herausfordernd. Viele Menschen sind in den letzten Jahren aus überfluteten Küstenregionen hierher gezogen, oft mit psychischen Problemen aber auch mit geschundenen Körpern. Wir versuchen unser Bestes. Ich lerne jeden Tag dazu.
Wir arbeiten mit moderner Medizin und Roboterchirurgie, selbstverständlich ist alles mit Solarstrom betrieben. Unsere die Medikamente wachsen aber zum Teil auch im Permagarten vor der Tür. Unsere Klinik ist das beste Beispiel für die Zusammenarbeit von moderner Technik und Natur.
Nach der Arbeit treffe ich meine Freund:innen am See. Wir tanzen, wir kochen, wir reden stundenlang. Niemand hetzt nach Hause, weil der nächste Arbeitstag um 6 beginnt. Niemand ist ausgebrannt. Wir leben. Und das fühlt sich nicht wie Luxus an – sondern wie Normalität, auf die alle ein Recht haben.