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Warum & Analyse

Warum brauchen wir Solarpunk?

Klima- und Umweltkrisen, soziale Ungleichheit, Demokratiekrise oder Mikroplastik – wir leben in einem System, das Krisen unterschiedlichster Art hervorbringt. Wir zeigen Zusammenhänge auf, beschränken uns aber aufs Nötigste. Es gibt zuhauf Literatur, die die Details beschreiben. ​In sechs Kapiteln stellen wir unsere Analyse und in ebenso vielen Ansätze für die Problemlösung vor:

​​

1. Klimakollaps und Umweltkrisen

2. "It’s the economy, stupid"

3. Ohne Moos nix los

4. Solarpunk-Wirtschaft

5. Umrisse einer Solarpunk-Wirtschaft

6. Es gibt sie schon  

1. Klimakollaps und Umweltkrisen

Überschwemmung und Strassenschild

Es ist wohl unmöglich, sie vollständig aus dem Kopf aufzuzählen; die Umweltkrisen unserer Zeit. Da gibt es zum einen die Klima-, Biodiversitäts-, Wasser-, Stickstoff- und Bodenkrise, es gibt die Übersäuerung der Meere, die Belastung unserer Böden mit Pestiziden, Fungiziden, Mikroplastik und PFAS.

 

Und dann gibt es noch diese anderen Krisen: In den Industrieländern ist ein grosser Teil der Menschen gestresst, deprimiert, abgestumpft und hat Angst vor dem sozialen Abstieg. Im globalen Süden gehören Armut, Korruption und Hunger zum Alltag.

Wenn man sich all diese Dinge vor Augen führt, kann einem leicht schwindlig werden, denn diese vielen Krisen übersteigen mögliche Lösungsansätze. Könnte man meinen. Steht man aber einen Schritt zurück, kann man erkennen, dass es einen gemeinsamen Nenner all dieser Krisen gibt: Die Art und Weise wie unsere Wirtschaft funktioniert.

2. "It’s the economy, stupid"

Wallstreet Börse

Man nennt es Marktwirtschaft, Kapitalismus, Neoliberalismus oder soziale Marktwirtschaft: Unser Wirtschaftssystem in seinen von Land zu Land leicht unterschiedlichen Ausprägungen.

Dieses Wirtschaftssystem hat vielen Menschen in den Industrienationen grossen Wohlstand gebracht, einigen wenigen sogar gigantischen Luxus. Viel zu viele Menschen haben von diesem Wohlstand aber nichts. Rund eine Milliarde Menschen hat jeden Tag zu wenig zu essen. Das an sich ist schon sehr stossend.

Dann kommt noch hinzu: Die Menschheit übernutzt bereits an vielen Stellen die planetaren Ressourcen. Und so bleibt keine Hoffnung, dass die heutige Wirtschaftsform jemals zu einer hohen Lebensqualität für alle Menschen verhelfen kann, ohne dass wir den Planeten noch mehr zerstören.

Es braucht eine andere Art, mit der wir unsere Bedürfnisse auf diesem Planeten stillen. Eine andere Weise, wie wir gemeinsam produzieren und die Dinge verteilen.

3. Ohne Moos nix los

In der Marktwirtschaft hat alles seinen Preis und ohne Geld läuft nichts. In einer solchen Wirtschaft geht es im Grundsatz darum, aus Geld mehr Geld zu machen. Mit anderen Worten, Profit zu generieren. Mittels Marketingmass-nahmen und Verkaufsstrategien wird der Unternehmensprofit optimiert auf Kosten von Löhnen, Umwelt, und Kund:innen.

 

(Natürlich gibt es löbliche Ausnahmen von sozialen und fairen Unternehmen, die versuchen, weder Natur noch Menschen auszubeuten. Aber das ist schwierig, weil sie mit all den Unternehmen konkurrenzieren müssen, die sich nicht darum kümmern.)

In einer solchen Geldwirtschaft geht es darum, einen möglichst wachsenden Umsatz zu generieren und immer mehr von allem zu verkaufen. Das ist auch deswegen notwendig, weil unsere Löhne, Pensionskassen und Sozialsysteme auf Wachstum angewiesen sind.

Die Konsumspirale

Bleibt dieses Wachstum aus, wird es schnell ungemütlich: Unternehmen können die Löhne nicht mehr bezahlen, müssen Leute entlassen. Diese haben dann weniger Geld zur Verfügung, wodurch sie weniger kaufen können. Der Absatz von weiteren Unternehmen leidet darunter, weshalb auch sie Leute entlassen müssen. Eine Abwärtsspirale setzt ein, die schnell zur grossen Wirtschaftskrise werden kann. Es ist ein Horrorszenario, das sich niemand wünscht. Und was gleichzeitig auch ziemlich absurd ist: Denn eigentlich ist ja alles Relevante noch da: Die Unternehmen, das Know-How, die Fabriken, die Menschen, die Rohstoffe. Es fehlt nur an Geld.

 

Aber ohne Geld funktioniert die Marktwirtschaft nicht. Deshalb wird dem Geld auch alles untergeordnet, auch wenn wir es nicht gerne zugeben: Naturschutz und Menschenwürde, Klimaschutz und Tierwohl. Das alles ist systembedingt nur zweitrangig. Es sind nur dann möglich, wenn sich damit genügend Geld verdienen lässt.

Und so kommt es, dass unser Wirtschaftssystem automatisch Krisen unter-schiedlichster Art hervorbringt, obwohl das weder naturgegeben noch aus technischer Sicht notwendig wäre.

 

Ein paar Beispiele:

  • Hunger könnte längst Vergangenheit sein: Laut der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) produzieren wir jährlich so viele Nahrungsmittel, dass 12 Milliarden Menschen ernährt werden könnten. Wir sind auf diesem Planeten etwas über 8 Milliarden, trotzdem haben eine Milliarde Menschen konstant zu wenig Essen. Es fehlt ihnen schlicht an Geld, um Nahrung zu kaufen.

  • Überfluss ist nicht möglich: Wenn Bauern zu viel Butter produzieren, zerstören sie diese, weil sie sonst den Marktpreis für Butter kaputt machen würden und sie ihre Produktionskosten nicht decken könnten. Überfluss ist in der Marktwirtschaft nicht möglich – auch nicht, wenn er wünschenswert und aus ökologischer Sicht machbar wäre.

  • Kaputt gehen ist notwendig: Wenn Unternehmen ihre Dinge so herstellen würden, dass sie möglichst lange halten, führte dies irgendwann zu einer Sättigung des Marktes (Stichwort Smartphones). Dann könnte das Unternehmen die Dinge nicht mehr verkaufen und ginge Konkurs. Damit das nicht passiert, werden die meisten Geräte so gebaut, dass sie nach gewisser Zeit kaputt gehen, um den Neukauf zu beschleunigen (sogenannte geplante Obsoleszenz). Das führt zu mehr Energie-, Ressourcenverschleiss, mehr Arbeit und mehr Abfall.

4. Solarpunk-Wirtschaft

Solarpunk Commons Wirtschaft

Aus dem Solarpunk-Manifest können wir einige Hinweise darauf ableiten, wie eine Solarpunk-Wirtschaft aussehen müsste:

Rahmenbedingungen

1. Eine post-knappe, posthierarchische, postkapitalistische Welt, in der sich die Menschheit als Teil der Natur versteht, und wo saubere Energie fossile Brenn-stoffe ersetzt.

-> Eine Solarpunk-Wirtschaft muss also eine Wirtschaftsform sein, die Überfluss generieren kann (Post-Knappheit), keine Hierarchien aufweist und die Marktwirtschaft (aka Kapitalismus) überwunden hat. Saubere Energie ist selbstverständlich.

2. Einfallsreichtum, Generativität, Unabhängigkeit und Gemeinschaft.

-> Eine Solarpunk-Wirtschaft soll weiterhin auf guten Ideen und Innovationen basieren, aber grössere Unabhängigkeit ermöglichen. Und sie soll auf Gemeinschaft und dem Bewusstsein für die kommenden Generationen gründen.

3. Solarpunk betont ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit.

 

-> Ohne Zukunft unseres Planeten ist alles sinnlos. Und Ungerechtigkeiten sind ebenfalls unerwünscht.

4. Bei Solarpunk geht es darum, Wege zu finden, das Leben für uns jetzt und auch für die nachfolgenden Generationen schöner zu machen.

-> Das Leben soll schöner werden. Dies kann und soll unterschiedlich ausgelegt werden. Es scheint aber klar zu sein, dass es beispielsweise nicht erstrebenswert ist, dass jede Stadt der Welt gleich aussieht, weil überall die gleichen Ladenketten ansässig sind. Der Aufruf, dass auch nachfolgende Generationen eine schöne Welt haben sollen, hat enorme Konsequenzen auf das Wirtschaftssystem: Sämtlicher Raubbau an der Natur oder Verschmutzungen sind nicht erwünscht.

5. Unsere Zukunft muss die Umnutzung und Schaffung neuer Dinge aus dem, was wir bereits haben, beinhalten.

-> Ein Aufruf zum Recyclen und zum Upcyclen von bereits vorhandenem: Umnutzen, länger benutzen und reparieren - das gilt für Geräte ebenso wie für Gebäude.

6. Solarpunk will den Szenarien einer sterbenden Erde, einer unüberwindlichen Kluft zwischen Arm und Reich, und einer von Konzernen kontrollierten Gesell-schaft entgegentreten. Nicht irgendwann in Hunderten von Jahren, sondern in einer nahen bis mittleren Zukunft.

-> Spielerisch aber dezidiert. Sonst braucht es hier keine weitere Erklärung. 

7. Solarpunk ist Teil einer jungen „Maker-Kultur“ mit dem Ziel, lokale Lösungen, lokale Energienetze und unterschiedliche Ausprägungen autonom funktionierender Systeme zu schaffen. Es geht darum, die Welt zu lieben.

-> Eine Solarpunk-Wirtschaft soll möglichst lokal funktionieren, mit implementierten Automatisierungen, um schwere Arbeit zu erleichtern.

 

8. ​Die Solarpunk-Kultur umfasst alle Kulturen, Religionen, Fähigkeiten, Geschlechter, Gender und sexuelle Identitäten.

-> Eine Solarpunk-Wirtschaft basiert auf Gleichberechtigung und Inklusion auf allen Ebenen.

 

9. ​Solarpunk ist die Idee, dass die Menschheit eine soziale Evolution erreicht hat, die nicht nur blosse Toleranz umfasst, sondern auch ein umfassenderes Mitgefühl und Akzeptanz. Eine Haltung, die über reine Passivität hinausgeht.

-> Eine Solarpunk-Wirtschaft duldet keine Ausbeutung.

10. Ziel ist die Förderung der Selbstversorgung und des Lebens innerhalb der natürlichen Gegebenheiten.

-> Hier kommt der Hinweis auf die planetaren Rahmenbedingungen. Eine Solarpunk-Wirtschaft darf diese natürlichen Grenzen nicht überschreiten. Gleichzeitig soll die Selbstversorgung gefördert werden.

11. In der Solarpunk-Welt haben wir uns gerade rechtzeitig zurückgezogen, um die langsame  Zerstörung unseres Planeten zu stoppen. Wir haben gelernt, die Wissenschaft mit Bedacht einzusetzen, um unsere Lebensbedingungen als Teil unseres Planeten zu verbessern. Wir sind keine Feudalherren mehr. Wir sind die Hüterinnen und Hüter. Wir sind die Gärtner und Gärtnerinnen.

-> Die Wissenschaft soll helfen, dass unsere Lebensbedingungen für alle auf unserem Planeten verbessert wird und der Planet nicht weiter zerstört wird. Wir sehen uns nicht mehr als Herrscher:innen sondern als Hüter:innen unserer Heimat. Das schliesst den Gebrauch von Herrschaftsmitteln aus und liefert einen Hinweis auf Freiwilligkeit und Kooperation.

5. Umrisse einer Solarpunk-Wirtschaft

Futuristisches Solarpunk Bild
Auf den Punkt bringen könnte man all diese Anforderungen also so:

 

Eine Solarpunk-Wirtschaft will die Bedürfnisse aller Menschen mit möglichst wenig Arbeitsaufwand, wenig Energie- und Transportaufwand und mit wenig Ressourcen erfüllen, innerhalb der planetaren Rahmenbedingungen. Es gilt also, Dinge möglichst nahe am Verbrauch herzustellen, mit langer Lebensdauer und mit möglichst geringer Umweltbelastung. Eine Solarpunk-Wirtschaft ist regenerativ und setzt moderne Technologie ein, um den Menschen zu dienen und die Natur zu schützen.

 

Es ist eine Wirtschaft, die überall dort, wo es gewollt und aus Umweltsicht in Ordnung ist, Fülle erzeugt und für Situationen, in denen Mangel herrscht, demokratische Lösungen einsetzt. Eine Solarpunk-Wirtschaft will nicht neue Bedürfnisse erschaffen, denn das würde ja mehr Arbeit, mehr Energie, Ressourcen und Transporte verursachen.

 

Es ist eine Wirtschaft, in der wir gemeinsam in Betrieben und Verteilzentren dafür sorgen, dass unsere vielfältigen Bedürfnisse möglichst direkt erfüllt werden – ohne Tausch, Geld oder Handel. Es wäre eine entschleunigte und moderne, innovative Wirtschaftsform, die dafür sorgt, dass alle genug haben. Und dass alle mehr Freizeit, Musse und Zeit für einander und das Miteinander zur Verfügung haben.

 

Es wäre eine Wirtschaft, in der nicht das Geld die Welt regiert. Die Solarpunk-Wirtschaft ist eine Wirtschaftsform, die auf Freiwilligkeit und Schenkprinzipien beruht und auf sämtliche Macht- und Druckmittel verzichtet.

Wichtig erscheint uns, dass der oben beschriebene Rahmen für eine Solarpunk-Wirtschaft nicht durch ein endlos langes Gesetzespaket gewährleistet werden soll, sondern dass die Solarpunk-Wirtschaft eine systemimmanente Logik und natürliche Anreize in sich trägt, die dazu führen, dass die Menschen gerne dazu beitragen, die planetaren und sozialen Rahmenbedingungen zu respektieren und einzuhalten.

5. Es gibt sie schon

Eine Rakete hebt ab
Was wir bislang “Solarpunk-Wirtschaft” genannt haben, ist keine neue Erfindung. Sie stützt sich auf Gemeingüterwirtschaft (Commons), auf anarchistische Wirtschaftsformen, auf Schenkwirtschaft (Gift Economy), Commonism, libertären Kommunalismus, auf die ressourcenbasierte Wirtschaft und bestimmte kommunistische Formen demokratisch und dezentral organisierter Wirtschaft. 

Es gibt praktische Projekte, die bereits heute erproben, wie eine solche Wirtschaft im Kleinen funktioniert und wie sie skaliert werden kann. Für eine Solarpunk-Wirtschaft müssen wir nicht auf eine ferne Zukunft hoffen, sie baut auf bereits bestehenden Technologien auf und könnte theoretisch schon übermorgen Realität werden. 

Wir sind uns aber der enormen Herausforderung bewusst, die heutige Marktwirtschaft zu einer Solarpunk-Wirtschaft weiterzuentwickeln. Aber haben wir nicht auch schon Unmögliches geschafft? Menschen auf den Mond gebracht, die höchsten Berge erklommen und Tunnels unter Ozeanen durchgegraben? Wäre doch gelacht, wenn wir es gemeinsam nicht schaffen würden, unsere Wirtschaft so umzubauen, dass sie durchwegs und für alle lebensdienlich ist...

Eine Sache ist vollkommen klar: Es braucht dazu möglichst viele Menschen, die daran mitschaffen. Im besten Fall auch dich. ;-)

Solarpunks.ch

Zukunft machen. Heute.

Mail: solarpunks.ch@proton.me

Telefon: 078 817 01 47

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